Prüfen von Untergründen

Laut Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) muss der Maler die von ihm zu beschichtenden Untergründe überprüfen. Einerseits, damit das Arbeitsergebnis zufriedenstellt, und andererseits aus gewährleistungsrechtlichen Gründen. Hat der Maler als Auftragnehmer Bedenken wegen z.B. Ausblühungen, Korrosion oder Algenbildung auf der zu behandelnden Fläche, muss er diese dem Auftraggeber schriftlich mitteilen. Der Maler kann nur oberflächliche Mängel des Untergrundes unter baustellenüblichen Bedingungen feststellen.


Baustellenübliche Prüfungen

  • Augenschein

Unmittelbare Prüfmethode durch das einfache Beschauen der Untergründe. Man kann Unregelmäßigkeiten, Abplatzungen, Risse, Ausblühungen, oberflächliche Feuchtigkeit, Kreidungen (evtl. mit der Hand eine Abrieb- bzw. Wischprobe durchführen), Verschmutzungen, mangelnde Oberflächenfestigkeit, Vermoosung, Veralgung direkt feststellen. Eventuell können weitere Prüfungen veranlasst werden.

  • Abrieb- oder Wischprobe

Um Sanden, Kreiden oder Mehlen zu erkennen, kann man mit der Hand oder einem Tuch über die Oberfläche wischen.

  • Abklopfen

Durch eine Klopf- und Hörprobe kann man mit einem Hammer beispielsweise Hohlstellen oder mangelhafte Ausbesserungsstellen ermitteln.

  • Benetzungsprobe

Wird eine Fläche mit Wasser benetzt, kann man feine Risse auf Beton oder Fette auf metallischen Untergründen wie Zink erkennen. Risse werden durch die stärkere Wasseraufnahme sichtbar und zeichnen sich dunkler ab als der Rest der Fläche. Das Saugverhalten des Untergrundes ist ebenfalls durch die Benetzung mit Wasser überprüfbar. Außerdem kann man testen, ob der Untergrund auch durchfeuchtet fest bleibt und haftet.

  • Feuchtemessung

Um eine einwandfreie Arbeit abzuliefern, ist die Feuchtigkeit des Untergrundes von besonderer Bedeutung. Wasserlösliche Stoffe können durch zu viel Feuchte gelöst werden, Beschichtungen können sich verfärben oder es kann zur Blasenbildung im Anstrichfilm auf feuchtem Holz kommen. Wenn eine augenscheinliche Prüfung nicht ausreicht, kann mit einem Feuchtigkeitsmessgerät der Feuchtegehalt bestimmt werden. Um die Holz- oder Putzfeuchte festzustellen, kann bspw. ein Messgerät wie das `Hydromette Compact` verwendet werden. Dabei werden die Messspitzen des Gerätes in den Untergrund gedrückt, wo sie die Feuchte erfassen. Das Ergebnis wird am Display angezeigt. Es gelten bestimmte Maximalwerte bei der Holzfeuchte.

  • Kratzprobe

Eine einfache Prüfung, die auf der Baustelle durchgeführt werden kann, ist die Kratzprobe. Dabei wird mit einem Messer, Spachtel oder Schraubenzieher bis zum Untergrund der zu behandelnden Fläche gekratzt. Ist der Untergrund schlecht haftend, splittert das getestete Material ab.

  • Gitterschnitt mit Klebebandabriss

Ein Stück Klebeband wird auf die zu überprüfende Fläche geklebt und ruckartig entfernt. Auf dem Klebeband dürfen keine Reste zu sehen sein, wenn die Beschichtung noch vernünftig auf dem Untergrund haftet.

Zusätzlich kann man eine Gitterschnittprüfung durchführen. Dabei werden, bspw. bei einem Holzuntergrund, sechs parallel laufende Schnitte im 45° Winkel zur Holzfaserrichtung gesetzt und zusätzliche Schnitte im rechten Winkel dazu, so dass 25 Quadrate entstehen. Das Gitter mit den Quadraten, wird mit Klebeband blasenfrei abgedeckt. Nach dem ruckartigen Entfernen des Tapes werden die Schnittränder und Quadrate nach Glätte bzw. Abplatzungen bewertet und ein Gitterschnittkennwert ermittelt. Es ist genormtes Klebeband mit bestimmter Klebekraft und Breite zu verwenden (rund 10 N Klebekraft und 25 mm Breite, bspw. von Tesa oder Scotch). Die klimatischen Bedingungen sollten protokolliert werden, weil sie die Ergebnisse beeinflussen können. Weitere Faktoren, die Einfluss nehmen können, sind die Beschaffenheit der zu prüfenden Oberfläche, die Kraft, mit der das Klebeband angedrückt wird, aber auch die Alterung des Klebebandes.

  • Lösemittelprobe

Da sich Lösemittelbeschichtungen bzw. wasserbasierte Beschichtungen nicht immer kombinieren lassen, ist es wichtig, die Altbeschichtung genau zu kennen. Gibt man Nitro-Verdünnung auf die zu prüfenden Stelle, wird bspw. ein Alkydharzlack nur schwach gelöst, eine Dispersion dagegen stark. Beschichtungen auf mineralischer Basis werden kaum gelöst.

Um die Bindemittelbasis der Altbeschichtungen zu prüfen, gibt es noch eine Reihe von Möglichkeiten. Leimfarbe ist mit Wasser anlös- und entfernbar. Kalk- und Silikatfarben haben eine matte Oberfläche, kreiden oft und saugen Wasser. Wenn man sie mit 10%-iger Salzsäure beträufelt, entweicht CO² bei Kalkfarbe stark und bei Silikatfarbe schwach aufbrausend. Bei Silikonharzfarben perlt Wasser ab.

Dies sind nur einige Beispiele. Letztendlich hilft natürlich auch der Kundenkontakt, um eine alte Beschichtung besser zu kennen.

  • pH-Wert Messung

Bei Beton- oder Putzuntergründen wird der pH-Wert vor allem vor einem Neuanstrich überprüft. Eine hohe Alkalität schützt einerseits die Bewehrung im Beton, verhindert aber andererseits eine Applikation von Beschichtungen. Ein Indikator (z.B. Lackmuspapier) wird auf die mit destilliertem Wasser benetzte, zu prüfende Stelle gelegt. Der pH-Wert wird mittels einer Farbpalette und dem verfärbten Indikator optisch eingeschätzt. Ist der Untergrund zu alkalisch, muss er gegebenenfalls fluatiert, das heißt neutralisiert, werden. Bei Fassaden beugt ein niedriger pH-Wert der Algenbildung vor.

  • Messen von Schichtdicken

Bedeutung haben die Schichtdicken im Bereich von Wetter-, Korrosions- und Brandschutz. Mit einem Messkamm wird die Dicke im feuchten Lackfilm gemessen. Soll zerstörungsfrei gemessen werden, kann je nach Untergrund ein elektronisches Messgerät (Eisen, Stahl, Nichteisenmetalle) oder ein Ultraschall-Schichtdickenmessgerät (nicht metallische Untergründe, bspw. Holz) verwendet werden.


Prüfen von Holzuntergründen

Holz ist der Witterung, Pilzen und Insekten ausgesetzt. Zudem wächst der Rohstoff natürlich und weist Äste, Harzaustritte und Risse auf. UV-Licht lässt Holz ergrauen, Feuchte schadet nicht nur der Beschichtung. Damit ein beschichteter Holzuntergrund seine Erwartungen an Optik, Qualität und Dauerhaftigkeit erfüllen kann und keine Gewährleistungsansprüche an den Ausführenden herangetragen werden, müssen die Flächen sorgfältig geprüft werden. Im BFS Merkblatt Nr. 18 `Beschichtungen auf Holz und Holzwerkstoffen im Außenbereich` werden Hölzer und ihre Eigenschaften eingeteilt und die Dauerhaftigkeitsklassen sowie ihre Eignung für den Fensterbau genannt. So sind, bspw. bei der heimischen Fichte, Harzaustritt und Bläuepilzbefall möglich, sie hat die Dauerhaftigkeitsklasse 4 und eignet sich für den Fensterbau.

Der Fruchtkörper des Bläuepilzes, der besonders Nadelhölzer befällt, sprengt Lackschichten und lässt so Wasser und schließlich auch Pilze eindringen. Per Augenschein erkennt man Verfärbungen. Die Festigkeit kann mit dem Messer o.ä. überprüft werden.

Ebenfalls per Augenschein lassen sich Risse im Holz feststellen. Wenn die Fehlstellen nicht mit einer Beschichtung überbrückt werden können, muss ausgebessert oder ersetzt werden.

Nicht durch Anstriche zu beseitigen sind Harzgallen in Hölzern, die zum Harzausscheiden neigen. Einzelne Harzgallen können durch ausbrennen entfernt werden.

Um zu prüfen ob das Holz anstrichschädliche Inhaltsstoffe enthält, muss man Probeflächen anlegen. Werden Beschichtungen auf Wasserbasis verwendet, können Inhaltsstoffe aus dem Holz aufschwimmen und zu oberflächlichen Verfärbungen führen. Gerbsäure, die bspw. im Eichenholz vorkommt, reagiert mit fungiziden und führt ebenfalls zu Verfärbungen.

Bauteil- und Glasabdichtungen an Fenstern und Türen aus Holz sind per Augenschein zu prüfen. Mit einem Messer kann die Haftung des Abdichtungsstoffes getestet werden. Schadhafte Abdichtungen sind zu ersetzen.

Treffen UV-Strahlen auf Holz, vergraut dieses. Der Effekt kann gewünscht sein. Da vergrautes Holz aber ungeeignet für Beschichtungen ist, muss es vorbehandelt werden, bspw. durch abschleifen.

Mit weiter oben genannten Methoden (Gitterschnitt, Klebeband) kann die Haftung von Altanstrichen überprüft werden. Achtung: Nicht zu tief ins Holz schneiden!

Um Holzbauteile zu schützen und die Umwelt zu schonen sollte man zuerst baukonstruktive Maßnahmen ausnutzen.


Prüfen von mineralischen Untergründen

  • Betonuntergründe

Poren-, Stahlbeton, unbewehrter Beton, Putze, Mauerwerk aus Kalksandsteinen, Ziegel und Faserzementplatten zählen zu den mineralischen Untergründen. Diese müssen vor einer Beschichtung ebenfalls überprüft werden.

Der hohe Alkaligehalt in Betonflächen schützt die darunter liegende Bewehrung. Durch äußere Einflüsse reduziert sich die Alkalität und es kommt zu einer Carbonatisierung des Betons, bei der die Bewehrung korrodiert und die Überdeckung abplatzen kann. Mit einer Indikatorlösung kann der Untergrund auf den Fortschritt der Carbonatisierung getestet und so die Tragfähigkeit des Untergrundes beurteilt werden.

Um die Festigkeit eines Betonbauteils zerstörungsfrei zu beurteilen, kann man einen Betonprüfhammer nach Schmidt einsetzen. Verschiedene Modelle, als Pendelhammer mit Skala oder Digitalanzeige, schlagen mit einer definierten Energie auf den Beton. Je nach Betonhärte prallt der Körper zurück. Der Wert des Rückpralls lässt auf die Druckfestigkeit schließen.

Soll die Oberflächenfestigkeit überprüft werden, kann man eine Kratzprobe, eine Hammerschlagprüfung oder einen Klebebandtest machen. Platzt die Oberfläche ab, muss sie vorbehandelt werden.

Feuchtigkeitsprüfungen können wie bereits oben erwähnt durchgeführt werden. Wie bei den Estrichlegern kann auch die CM Methode zur Restfeuchtebestimmung durchgeführt werden. Bei Estrichen und Betonen ist eine mehrwöchige Trocknungszeit zu beachten.

  • Putze, Kalksandstein-, Klinker- und Ziegelmauerwerk

Durch die oben genannten Augenschein-, Wisch- und Kratzprüfungen können praktisch alle Oberflächen auf Verschmutzungen, Risse, Moos, etc. überprüft werden. Um feine Risse im Putz festzustellen, ist eine Benetzungsprobe mit Wasser sinnvoll. Mit Gipsmarken kann man testen, ob die Fehlstellen noch in Bewegung sind, ein Rissbreitenmesser hilft Risse einzuordnen. Sind Putzrisse festzustellen, muss eine Risssanierung durchgeführt werden, damit Folgeschäden auszuschließen sind. Hat Mauerwerk Ausblühungen und Putzschäden, die auf eine Durchfeuchtung schließen lassen, muss die Ursache der aufsteigenden Feuchte erst behoben werden. Algen- und Pilzbefall muss bei Fassaden überprüft und gegebenenfalls behandelt werden. Auch bei Kalksandsteinmauerwerk geht es meistens um eine Augenscheinliche Überprüfung der Oberflächen. Eine Überprüfung der Saugfähigkeit ist notwendig um die richtige Stärke der Imprägnierung auszuwählen. Klinker- und Ziegelmauerwerke sind ebenfalls auf Feuchte, Ausblühungen, etc. zu überprüfen.


Prüfen von metallischen Untergründen

Eisen- und Stahlflächen werden vor der Beschichtung augenscheinlich auf Verunreinigungen, Korrosion, Walzhaut oder Zunderschichten überprüft. Altbeschichtungen sind mit Gitterschnitt, Klebeband und Kratzprobe auf ihre Tragfähigkeit zu testen.

Bei Zinkoberflächen sind schlechte Löt- und Schweissstellen, Beschädigungen, Korrosion und Verunreinigungen per Augenschein zu prüfen. Perlt bei einem Benetzungstest das Wasser ab, ist die Fläche von Fetten und Ölen zu reinigen. Altbeschichtungen werden, wie schon erwähnt, mit Gitterschnitt und Kratzprobe getestet. Die Zinkoberfläche ist vor dem Beschichten gründlich zu reinigen.

Aluminiumflächen sind ebenfalls augenscheinlich und Altbeschichtungen wie bereits erwähnt zu überprüfen. Aluminiumflächen sind mittels Nitro-Verdünnung und Schleifen zu reinigen. So werden Ölreste und Korrosion beseitigt.


Prüfen von Untergründen aus Kunststoff

Fenster, Türen, Dachrinnen oder Rohre werden aus Kunststoff hergestellt und sind ebenso wie andere Bauteile von Malern und Lackierern zu beschichten. Ist ein Kunststoffteil nicht auf die verwendeten Materialien hin gekennzeichnet, kann es nützlich sein, Hersteller oder Montagebetrieb zu fragen. Die Kunststoffart (Elastomer, Plastomer, Duromer) lässt sich auf der Baustelle nicht so leicht erkennen. Es gibt aber Merkblätter für Maler, die eine Übersicht über die Kunststoffbauteile und ihre Überstreichbarkeit geben. So ist bspw. ein Hart-PVC, wie bei Dachrinnen oder Kabelkanälen, als Plastomer überstreichbar, aber ein Polyethylen bei Dachrinnen - ebenfalls Plastomer - nicht.

Auf jeden Fall ist auch der Kunststoff als Untergrund auf Verschmutzung mittels Augenschein zu überprüfen.

Eine Probebeschichtung des Bauteils kann ebenfalls sinnvoll sein, um nach dem Aushärten die Haftung mittels Gitterschnitt oder Kratzprobe zu überprüfen.

Ist das zu beschichtende Teil bereits mit Pulverlack (bspw. Epoxid, Hybrid oder Polyesterpulverlack) bearbeitet, kann die Lösbarkeit mit Nitroverdünnung und die Haftung ebenfalls mit Gitterschnitt oder Kratzprobe getestet werden. Lösen sich verwitterte Teile, kann man die Oberfläche mit einem Tuch abreiben und die Rückstände erkennen.




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